Luxus und Alltag

Luxus und Alltag

Wachsender Wohlstand des Bürgertums führt im 15. Jahrhundert zu einer gesteigerten Nachfrage nach Luxusgütern. Neben religiösen Stiftungen betrifft das vermehrt auch weltliche Kunst. Nicht nur Gemälde und Skulpturen, auch Schmuck, Textilien oder Mobiliar werden für den privaten Gebrauch in Auftrag gegeben und erfüllen dabei zugleich repräsentative Zwecke.

Darstellungen von Liebe

Obwohl der „Greifenteppich“ zur Ausstattung eines repräsentativen Raumes diente und damit einer größeren Öffentlichkeit zugänglich war, thematisiert er mit der Liebe ein sehr privates Thema. Blumenwiese und Greif verkörpern die gezügelte und ungezügelte Natur der Liebe, über die sich die Paare, angedeutet durch die ihnen beigegebenen Textstreifen, unterhalten.

Basler Werkstatt: Minnetapisserie mit Liebespaar und Greif, um 1430-1450, Wirkerei, Wolle und Leinen, 105 x 148 cm © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstgewerbemuseum / Jürgen Bartsch
Basler Werkstatt: Minnetapisserie mit Liebespaar und Greif, um 1430-1450, Wirkerei, Wolle und Leinen, 105 x 148 cm © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstgewerbemuseum / Jürgen Bartsch
Kölner Meister: Der Liebeszauber, um 1470, Rotbuchenholz, 23,9 x 18 cm © Museum der bildenden Künste, Leipzig
Kölner Meister: Der Liebeszauber, um 1470, Rotbuchenholz, 23,9 x 18 cm © Museum der bildenden Künste, Leipzig

Im privaten Rahmen werden derartige Themen weitaus unverhüllter dargestellt. Erhalten hat sich davon allerdings nur wenig. Eines der seltenen Beispiele ist der um 1470 vermutlich in Köln entstandene „Liebeszauber“. Das Gemälde verdeutlicht die Gefühlsverwirrungen, die mit der Liebe in all ihren Spielarten verbunden war.

Spielkarten

Die Darstellung von Alltagsbeobachtungen zieht sich durch alle Kunstgattungen und -aufgaben. So entwirft der sogenannte Meister der Spielkarten in den 30er Jahren des 15. Jahrhunderts als Kupferstecher ein Set von Spielkarten, bei dem etwa die Zahl 3 durch Reiher dargestellt wird. Ihre Körperhaltungen wirken wie eine spontane Momentaufnahme, ihr Zusammenspiel dagegen offenbart sich als geschickte Komposition.

Meister der Spielkarten: Vogel-Drei, um 1435-1440, Kupferstich, 12,6 x 8,9 © Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Dietmar Katz
Meister der Spielkarten: Vogel-Drei, um 1435-1440, Kupferstich, 12,6 x 8,9 © Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Dietmar Katz
Konfektschale aus dem Lüneburger Ratssilber, kurz vor 1482, Silber, getrieben, gegossen, punziert, teilweise vergoldet, Email, 20 x 36,5 cm © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstgewerbemuseum / Saturia Linke
Konfektschale aus dem Lüneburger Ratssilber, kurz vor 1482, Silber, getrieben, gegossen, punziert, teilweise vergoldet, Email, 20 x 36,5 cm © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstgewerbemuseum / Saturia Linke

Luxusgüter

Neben dem Adel treten vermehrt auch Städte, Zünfte und wohlhabende Bürger als Auftraggeber hervor. Die für sie angefertigten Gegenstände haben vor allen Dingen eine repräsentative Funktion. Naschwerk etwa wird gerne zu den öffentlichen Ratssitzungen der großen Handelsstädte gereicht, serviert in Schalen, die man eher im Besitz des Adels vermuten würde. Als Teil der Ratssilberschätze demonstrieren sie die Bedeutung der jeweiligen Stadt.
Lüneburger Ratssilber

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