Zeit der Innovationen

Zeit der Innovationen

Die Kunst der Spätgotik ist von weitreichenden technischen, formalen und inhaltlichen Neuerungen geprägt. Malerei, Skulptur und Grafik sind dabei so eng miteinander verbunden, dass sich Innovationen schnell über alle Kunstgattungen hinweg verbreiten.
Die Einheit
der Künste

Neue künstlerische Ausdrucksmittel

Angeregt von niederländischen Vorbildern verändern sich in der Malerei die künstlerischen Ausdrucksmittel: Licht und Schatten, Körper und Raum werden zunehmend wirklichkeitsnah dargestellt. Das zeigt sich beispielsweise an den Tafeln des Wurzacher Altars, die in der Werkstatt von Hans Multscher in Ulm entstanden sind. In der Darstellung von Schlagschatten und der Wiedergabe metallisch glänzender Oberflächen macht sich der neuartige Einsatz von Licht und Schatten bemerkbar.
Die großen Vorbilder

Hans Multscher: Flügel des Wurzacher Altars, 1437, Leinwand auf Tannenholz, 150 x 140 cm © Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Jörg P. Anders
Hans Multscher: Flügel des Wurzacher Altars, 1437, Leinwand auf Tannenholz, 150 x 140 cm © Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Jörg P. Anders
Konrad Witz: Die Verkündigung an Maria, um 1440, Ursprünglich Nadelholz, 158,1 x 120,6 cm © Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg
Konrad Witz: Die Verkündigung an Maria, um 1440, Ursprünglich Nadelholz, 158,1 x 120,6 cm © Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg

Licht und Schatten

Die neuen Spielarten in der Malerei lassen sich auch bei Konrad Witz beobachten. Der Raum in seinem um 1440 entstandenen Verkündigungsbild ist nur von Licht und Schatten erfüllt. Diese Darstellung ist weitaus ungewöhnlicher, als es heute erscheinen mag. Ein gänzlich unmöbliertes Gemach, in dem sich nicht einmal ein Kissen oder ein Betpult für die Jungfrau befinden, war in der damaligen Zeit fast einmalig. Stattdessen schwelgt der Künstler in Effekten, die er malerisch auf den unterschiedlich beleuchteten Oberflächen hervorrufen kann.

Landschafts-
darstellungen

Werke wie die Karlsruher Passion bereiten eine Entwicklung vor, die wenige Jahrzehnte später zu einer reinen Landschaftsdarstellung führt. Um 1490 malt Albrecht Dürer die „Drahtziehmühle“, ein Gebäudeensemble an der Pegnitz vor den Toren von Nürnberg. Die hohe Detailgenauigkeit unterscheidet das Werk von einer Skizze. Die Landschaft dient nicht mehr als Motiv in einem größeren Bildzusammenhang, sondern wird selber zum Thema eines eigenständigen Werks.

Albrecht Dürer: Die Drahtziehmühle, 1489 oder 1494, Aquarell und Deckfarben auf Papier, 29 x 42,6 cm © Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Jörg P. Anders
Albrecht Dürer: Die Drahtziehmühle, 1489 oder 1494, Aquarell und Deckfarben auf Papier, 29 x 42,6 cm © Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Jörg P. Anders

 

Niclaus Gerhaert von Leyden: Maria mit dem Kind, sog. Dangolsheimer Madonna, 1463, Nussbaumholz mit reduzierter originaler Fassung, 102 x 42 x 46 cm © Staatliche Museen zu Berlin, Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst / Antje Voigt
Niclaus Gerhaert von Leyden: Maria mit dem Kind, sog. Dangolsheimer Madonna, 1463, Nussbaumholz mit reduzierter originaler Fassung, 102 x 42 x 46 cm © Staatliche Museen zu Berlin, Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst / Antje Voigt

Entrückt und doch menschlich

Figuren wie Gerhaerts „Maria mit dem Kind“ werden nun als wirkliche Körper dargestellt, nicht mehr gewichtslos, wie schwebend, sondern mit den Beinen fest auf dem Boden. Der im höchsten Maße künstlich gestaltete Gewandfall verhindert dabei das Gefühl einer zu großen Nähe: Die Dargestellten sind als Heilige dem Diesseits entrückt, gleichzeitig aber auch von menschlicher Natur.

 

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